Das Lichthaus Bremen beherbergt seit Kurzem die Bremer Seemannsmission e.V.. Wir besuchten daher die stilvoll eingerichteten neuen Räumlichkeiten und fragten Leiter und Diakon Magnus Deppe nach den Vorhaben und der konkreten Arbeit mit den Seeleuten.

Andrea Munjic, Kultur Vor Ort (AM): Herr Deppe, Sie sind Ende 2018 aus dem Stephaniviertel nach Gröpelingen ins Lichthaus gezogen. Bei Ihrer Arbeit geht es im Schwerpunkt um die Seeleute in den stadtbremischen Häfen und darum, sie in allen Lebensbereichen zu unterstützen. Was kann ich mir darunter vorstellen, wie sieht das konkret aus?

Kuriosa aus der Welt der Seefahrt werden von den Seefahrern geliebt.

Magnus Deppe (MD): Die Bremer Seemannsmission bietet Seeleuten aus aller Welt ein Zuhause in der Fremde – unabhängig von der Nationalität, Religion oder Kultur. Jeden Morgen besuchen wir mit ehrenamtlichen Bordbesuchern die Besatzungen der im Hafen von Bremen liegenden Schiffe. Wir bringen internationale Zeitungen, Telefonkarten und Zeit für Gespräche mit an Bord. Nachmittags beginnt der kostenlose Shuttleservice. Unsere Mitarbeiter im Freiwilligen Sozialen Jahr und ehrenamtlichen Helfer holen einen Teil der Crew mit unseren Fahrzeugen vom Schiff ab und bringen Sie in den Seemannsclub. Hier kann der Seemann nach harter Arbeit per Internet oder Telefon Kontakt mit der Heimat aufnehmen, Billard spielen, Besorgungen in der Waterfront erledigen oder bei einem erfrischenden Getränk die Seele baumeln lassen. Nach dem Aufenthalt im Seemannsclub werden die Seeleute von uns wieder an Bord zurück gebracht.

Die Kirchengläser aus dem ehemaligen Seemannsheim sind mit ins Lichthaus gewandert.

AM: Was hat sich mit Ihrem Umzug nach Gröpelingen verändert?

MD: Die Fahrtwege sind deutlich kürzer geworden. Viele Seeleute kommen nun sogar zu Fuß. Wir haben somit mehr Zeit für den Seemann und seine Bedürfnisse und Wünsche.

AM: Gröpelingen ist ein Stadtteil, der sich rasant verändert hat. Vom Dorf zum Arbeiterstadtteil mit Großwerft; heute zum internationalen Ankommensquartier. Der Stadtteil ist mit den Industriehäfen immer noch wichtiger Hafenstandort. Dennoch spielt das Hafenleben und die Schifffahrt heute eine eher zurückhaltende Rolle. Hat sich das Berufsbild Ihrer Seemänner verändert und wenn ja, wie?

Viele Schmöker auf Englisch und ein Kicker bilden einen schönen Zeitvertreib.

MD: Ja, die Seefahrt ist stark im Wandel. Es ist alles sehr viel schneller geworden in den Häfen und auf den Schiffen. Schiffe bis zu über 200 Meter Länge werden in nur wenigen Stunden be- und entladen. Der Aufenthalt im Hafen ist kurz und für die Reedereien oft kostenintensiv. Seeleute haben oft den Wunsch, die verschiedenen Hafenstädte zu sehen, finden aber keine Zeit.  Sie haben in der Regel Arbeitsverträge von bis zu 10 Monaten. In dieser Zeit sind sie von Ihren Familien getrennt und oft ohne Internet. Der Druck und die Verantwortung auf den einzelnen Seemann sind groß.  

Neben dem Holz- und Fabrikenhafen und den Industriehäfen werden auch die Neustädter Häfen angefahren

AM: Woher kommen Ihre Seemänner und auf was für Schiffen heuern sie in der Regel an?

MD: Fast 70 Prozent der Seeleute kommen aus den Philippinen. Aber auch Russen, Ukrainer, Polen und Inder sind stark vertreten. Deutsche Seeleute haben wir nur sehr selten hier in Bremen. Die Reedereien sind international und aus der ganzen Welt.

AM: Was bieten Sie im Seemanns-Club an? Wie ich höre, haben Sie öfter Besuch von den anderen Mietern im Lichthaus, die sehr positiv auf Ihren Einzug reagieren.

Am Tresen liegt auch ein Gästebuch, in dem sich die Besatzungen der internationalen Schiffe eintragen.

MD: Wir haben Zeit und wir hören zu! Wir setzten uns für die Seeleute ein und versuchen den Aufenthalt hier in Bremen für die Seeleute nach ihren Wünschen zu gestalten. Hierzu gehört auch die Fahrt in die City. Rathaus, Roland, Stadtmusikanten und Schnoor sind beliebte Ziele. Oft wollen Seeleute aber auch „einfach nur“ Geld nach Hause überweisen, brauchen bestimmte Dinge aus Baumärkten oder wollen im Seemannsclub einfach nur mal Zeit verbringen, skypen oder eine Runde Billard spielen.

AM: Herzlichen Dank für das Interview. Zum Abschluss noch die Frage: Was nehmen Sie sich für 2019 vor?

“Einladend” ist das richtige Wort für den Seemanns-Club Bremen.

MD: Wir wollen erst einmal richtig in Gröpelingen ankommen mit unserem Seemannsclub „Lighthouse“.  Gerne laden wir aber auch Besucher auf ein Tasse Kaffee, Tee oder Kakao ein. Wir freuen uns über ein Gespräch über unsere Arbeit, unsere Häfen oder auch über unsere Visionen!  Fühlen Sie sich willkommen bei uns.

Wir sind Mo bis Fr. von 9.00 Uhr bis 22.00 Uhr und Sa und So von 12.00 Uhr bis 18.00 Uhr für Sie da!

Bremer Seemannsmission e.V.
Hermann-Prüser-Straße 4
28237 Bremen

Bremer Seemannsmission

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Fotos: Christina Vogelsang