So richtig warm war es am vergangenen Samstag nicht, als Christiane Gartner (Geschäftsführerin, Kultur Vor Ort e.V. und Jan Caspar Damberg (Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen) am Gröpelinger Anleger die Weserfähre besteigen, um über das Projekt „Weiche Kante“ und die Bedeutung für Gröpelingen zu sprechen.

 

Placemaking im ganz großen Stil am Anleger Molenturm

 

CG Jan, du hast dir als Einstieg für unsere Weserkreuzfahrt den Einstieg in Gröpelingen gewählt, warum?

 

J C-D Weil ich kein Auto besitze und die Straßenbahnanbindung aus der östlichen Vorstadt nach Gröpelingen am besten ist, kann man den Fähranleger am Pier 2 einfach sehr gut erreichen. Und wenn ich mit dem Rad im Blockland unterwegs bin, ist Gröpelingen auch der naheliegendste Zwischenstop, um auf dem Rückweg die Weser bzw. das Hafenbecken zu überqueren. Außerdem bin ich ein großer Fan der Lindenhofstraße. Im Sommer ist hier Abends auf den Straßen genauso viel los wie im Viertel, soviel Trubel und internationales Flair hat man sonst in keinem anderen Quartier in Bremen. Dazu gehört natürlich der Fischdöner von Karadeniz in der Lindenhofstraße, einzigartig.

Foto: Daniela Buchholz

Ich bin schon sehr gespannt darauf, ob die Verbindung von der Lindenhofstraße Richtung Weser / Überseestadt und der neuen “Weichen Kante” ab 2019 von den Gröpelingern gut angenommen wird. Die Strecke zwischen den beiden Torhäusern und dem Anleger könnte für Fussgänger halt noch ein bisschen attraktiver werden. Wobei, der Weg vorbei an der riesigen roten Backsteinfassade der Getreideverkehrsanlage schon beeindruckend ist. Und die Fähre übers Wendebecken spielt natürlich eine große Rolle bei der Frage, ob wir unser Ziel erreichen und die Weiche Kante auch ein Gröpelinger Projekt wird.   

 

CG „Weiche Kante“, das klingt weder nach Traumstrand noch nach Badeparadies- was  entsteht dort eigentlich und wann und für wen?

 

J C-D Ja, die Weiche Kante. Klingt noch etwas nach Planungsdeutsch, oder? Vielleicht braucht der Ort noch einen anderen Namen.

Die weiche Kante entsteht am Ufer des Wendebeckens in der Überseestadt, dort wo heute, an der ehemaligen Einfahrt des Überseehafens, noch eine graue Steinschüttung ins Wasser ragt. Ab August 2017 beginnen hier die Bauarbeiten und bis Ende 2018 entsteht hier ein einzigartiger, über 2 Hektar großer Strandpark, der – anders als die ansonsten in der Überseestadt ja meist harten “Kanten” der Spundwände – einen “weichen” Übergang von der Stadt zum Wasser schafft. 

 

Der Park soll vor allem die Landschaft und das Wasser in den Mittelpunkt stellen und einen ruhiges, erholungsorientiertes Flair schaffen, mit Dünen, nordseeküstentypischer Vegetation, Strandbäumen, einem kleinen Wasserspiel und einem Uferweg direkt am Wendebecken, der barrierefrei von jedem genutzt werden kann. 

 

Mit dem Strandpark wird im wahrsten Sinne des Wortes Neuland gewonnen, denn die Weiche Kante entsteht zu einem großen Teil da, wo sich heute noch Wasser befindet. 

 

Als Begegnungs- und Naherholungsort für den gesamten Bremer Westen soll der Strandpark eine städtebauliche Scharnierfunktion einnehmen zwischen den neuen Entwicklungen der Überseestadt und den bestehenden Quartieren Gröpelingen und Walle, die bisher ja nicht allzu viele Freiräume haben und auch nicht wirklich gute Zugänge zum Fluss. Das soll sich mit der Weichen Kante ändern, auch wenn sie von der Gröpelinger Perspektive aus auf der anderen Uferseite des Wendebeckens liegt. Wir gehen davon aus, dass sich durch die Attraktivität des Strandparks, aber auch ganz einfach durch die Bevölkerungs- und Nutzungsverdichtung im Quartier Hafenkante die Wirtschaftlichkeit für die Fährverbindung zwischen Molenturmanleger und Pier 2 verbessern wird. Und der derzeitige, nur saisonale Betrieb der Fähre verstetigt werden und dann über das ganze Jahr erfolgen kann. Dann rückt die Weiche Kante auf 5 Gehminuten und eine Fährfahrt an die Lindenhofstraße heran.  

 

Übrigens, bei alldem nicht zu vergessen, auch die Landzunge um den Molenturm herum wird bei der Gelegenheit behutsam aufgewertet. Dieser Ort hat ja heute schon eine gewisse Anziehungskraft, insofern reicht es aus, hier einfach ein bisschen aufzuräumen und den Charakter des Ortes gestalterisch herauszuarbeiten.

 

CG  Der Strand ist das eine – auf der anderen Seite baut Bremen dort den Hochwasserschutz aus.

 

J C-D Genau, laut Generalplan Küstenschutz muss der Hochwasserschutz am Ufer des Wendebeckens künftig auf eine Bestickhöhe von 8,40 Meter gebracht werden. Die Weiche Kante hat hier auch eine Funktion. Sie ist in diesem Zusammenhang für Bremen und darüber hinaus ein Modellprojekt für einen zukunftweisenden, urbanen Hochwasserschutz, mit dem die Stadt Bremen zeigen will, wie im Zuge von Hochwasserschutzmaßnahmen die üblicherweise durch die rein technische Erhöhung entstehende Trennwirkung zwischen Wasser und Stadt vermieden werden kann und das Wasser stattdessen noch besser erleb- und nutzbar ist, als vorher. Für die Umsetzung dieser Idee bekommt Bremen rund 2,8 Mio. € Fördermittel vom Bund für den Bau der Weiche Kante dazu. Weitere Gelder für den Strandpark kommen übrigens aus dem bremischen EFRE-Programm, so dass Bremen insgesamt über 80% dieses immerhin 8,7 Mio. € teuren Projektes aus Drittmitteln finanziert bekommt. 

 

 

CG Dein Tipp zum Wochenende: wo gehst du von Bord und was kommt dann?

 

J C-D Am Wochenende gehe ich weder in Gröpelingen, noch in der Überseestadt von Bord der Weserfähre, sondern am Lankenauer Höft, wo die Pusdorf ja ihren dritten Anlegepunkt hat. Da organisiert das Kollektiv vom Zuckerwerk gerade eine spannende Zwischennutzung mit einem sehr vielseitigen Programm, das die Bremerinnen und Bremer zu einem guten Teil selbst bestimmen können. Da bin ich sehr sehr gespannt, was passiert und welche Ideen es gibt, diesen Ort zu nutzen.

 

CG Danke für das informative Gespräch.

 

Wir sprachen mit Jan Casper-Damberg (40, Dipl.-Ing. Raumplanung) Referent für Gewerbeplanung/Stadtentwicklung beim Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, passionierter Radfahrer und Weserliebhaber, bei unserer Fahrt auf der Weserfähre.